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„Schiedsrichter werden immer mehr gefordert“

Im Laufe seiner Schiedsrichterkarriere leitete Urs Meier insgesamt 883 Fußball-spiele, darunter vier Partien bei Weltmeisterschaften und fünf bei Europameisterschaften. Seit 2005 wird der Schweizer als Fußballexperte vom ZDF engagiert, um im Fernsehen die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei Europa- und Weltmeisterschaften zu analysieren. Auch bei der EM 2016 in Frankreich wird er wieder zum Expertenteam des Mainzer Senders gehören

Vor wenigen Wochen hat Urs Meier seine Autobiografie vorgelegt. Der Erinnerungsband des dereinst gefragtesten und bisweilen umstrittensten Unparteiischen bietet selten tiefe Einblicke in das Schiedsrichter-Metier, das wie kaum ein anderes öffentlich beleuchtet ist. In „Urs Meier – Mein Leben auf Ballhöhe“ setzt der 57-Jährige sich auch eindringlich für die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens ein. In einem Interview erklärt der Schweizer, inwieweit das Thema im Rahmen der diesjährigen EM eine Rolle spielen wird und ob er gern noch einmal ein EM-Spiel pfeifen würde.

Urs Meier, zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich tritt die umfangreichste Regelreform des International Football Association Board (IFAB) in Kraft. Sie fordern seit einiger Zeit eindringlich die Professionalisierung des Schiedsrichter-Berufes. Wird das Thema bei der diesjährigen EM eine Rolle spielen?

Ich bin sicher, dass wir auch während dieser EURO wieder Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen haben werden, da sich der Fußball immer weiter entwickelt. Er wird schneller, athletischer, technischer und feiner. Dadurch werden die Schiedsrichter noch mehr gefordert als in der Vergangenheit. Dazu kommt noch der unglaubliche Druck von außen (Medien, Zuschauer) und von innen (Verband). Doch muss man auch eines festhalten, die europäischen Schiedsrichter sind weltweit gesehen die Besten ihres Faches, da die «Musik» in Europa spielt, vor allem in den großen Ligen wie Premier League, Bundesliga, Primera Division, Serie A, League 1 und natürlich der Euro und Champions League.

Die FIFA will voraussichtlich bereits ab Anfang 2017 Videobeweise im Profi-Fußball zulassen. Diese Entscheidung entspricht einer Forderung, die Sie ebenfalls bereits vor Jahren erhoben haben. Welche Auswirkungen wird diese Technik zukünftig haben?

Ich finde es gut, dass dieses Fenster geöffnet wurde und die Tests nun auch in großen Ligen, wie es die 1. Bundesliga ist, durchgeführt werden können. Der Videobeweis sollte aber so verstanden werden, wie der Airbag im Auto, das heißt, er sollte nur beim absoluten Notfall „explodieren“ und den Fahrer (Schiedsrichter) „retten“. Wichtig und richtig ist aber auch die Aussage des IFAB, dass der Einsatz des Video Assistent Referee (VAR) keinen Einfluss auf die Qualität des Spiels und die Entscheidungshoheit des Referees haben darf.

Ab dem 10. Juni sind Sie erneut als TV-Experte bei der EM in Frankreich dabei. Wären Sie gern auch noch einmal als Schiedsrichter auf dem Platz während des Turniers?

Alles hat seine Zeit. Ich durfte eine wunderbare Schiedsrichterkarriere durchleben und habe meinen Abschied auch selbst bestimmen können, dies mit einem klaren Entscheid: die Zeit der kurzen Hosen ist vorbei, jetzt trage ich lange Hosen! Ich bin dem ZDF dankbar, dass sie mir die Chance gegeben haben, als Fußball-Experte seit 2005 bei allen großen Fußball-Turnieren dabei zu sein und zu versuchen, der „Schiedsrichterei“ ein Gesicht und eine Seele zu geben.

Abschließend Ihr Tipp: Wer wird in diesem Jahr Fußball-Europameister?

Wenn Deutschland die Hürde Schweiz überwinden kann, werden sie Europameister.


Das Interview kann ganz oder teilweise honorarfrei veröffentlicht werden, sofern dies im Zusammenhang mit einer Erwähnung von Buch und Verlag geschieht. Das Buch „Urs Meier – Mein Leben auf Ballhöhe“ ist im Delius Klasing Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.