35 geheime Trainingstricks von Osenberg

(mit denen Sie versuchen können, die Mallorca-Rundfahrt zu gewinnen)

Ein Rennradfahrer trainiert am Strand Mallorcas
Lektion 1: Asphaltkunde

Als Radfahrer sollten Sie ständig auf die Oberflächenstruktur der Fahrbahn, die unter Ihnen hindurchfließt, achten. Entwickeln Sie dabei Ihre speziellen Vorlieben für verschiedene Asphaltmischungen! Nach ein paar Jahren werden Sie den Straßenbelag bereits am Abrollgeräusch der Reifen erkennen. Ja selbst mit den Händen in Oberlenkerhaltung können Sie die Bodenbeschaffenheit fühlen. Wie ein Eskimo zig verschiedene Sorten von Schnee unterscheiden kann, so sammeln Sie auf unzähligen Kilometern Erfahrung, was die Straßenbeschaffenheit betrifft. Besonders auf Mallorca gibt es eine große Vielfalt an Asphaltmischungen. Von grob bis feinkörnig ist alles dabei.

Auf mallorquinischen Straßen gibt es immer etwas zu sehen, auch wenn man im Windschatten des Vordermanns hängt und zumeist wie paralysiert auf die Straße unterhalb dessen Hinterrads starrt.

Aber Achtung! Bei Nässe besteht auf Mallorcas Straßen erhöhte Rutschgefahr. Und auch bei Hitze kann es gefährlich werden. Der Dachs ist auf der neunten Etappe des Trainingslagers 2003 auf der Abfahrt nach Alaró auf einem zu heiß gewordenen Teerflicken weggerutscht und brach sich daraufhin den Oberschenkelhals. Sollten Sie in eine solche Szene geraten, dass Ihr Vordermann stürzt, weichen Sie umgehend aus und kürzen idealerweise über eine Wiese ab!

Achten Sie zudem während der Fahrt über heißen mallorquinischen Asphalt darauf, dass Ihnen keine Schraubenschlüssel oder ähnliche Bordutensilien aus der Hand fallen. Das Werkzeug ist sonst sofort im Fahrbahnbelag festgebacken.

Ausgleichssport
Lektion 2: Ausgleichssport

Immer nur Radfahren, Radfahren, Radfahren? So kann das natürlich nichts werden. Nur in der Pause werden Sie schneller. Was Sie brauchen, das ist der ergänzende Bewegungsausgleich. Sie müssen auch andere Muskelgruppen und Ihren Oberkörper trainieren, wenn Sie nicht ewig wie ein nasser Kartoffelsack auf Ihrem Rad hocken wollen! Suchen Sie Anschluss in anderen Vereinen! Lernen Sie neue Sportarten! Gehen Sie regelmäßig zum Schwimmtraining! Vernachlässigen Sie dabei auch nicht, Ihre Technik zu verbessern! Der Effekt liegt in der ständigen Wiederholung. Machen Sie deshalb immer wieder Arschbomben ins Nichtschwimmerbecken! Damit schulen Sie, sich mit ähnlichen Auftritten auch im Peloton Beachtung zu verschaffen. Nehmen Sie auch an anderen Wettkämpfen teil! Für welche Sportart Sie sich letztlich entscheiden, bleibt Ihnen überlassen. Ob Schach, Völkerball, Holzhackerturnier oder Mittelstreckenlauf ist dabei völlig egal. Nur durch die ständige Herausforderung erhalten Sie sich Ihre Wettkampfhärte. Aber achten Sie bitte darauf: eine Hand sollte immer am Lenker bleiben.



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Lektion 3: Ausrüstung

Radschuhe, Helm und Brille dürfen Sie nie vergessen, wenn Sie irgendwo an den Start gehen wollen. Um sportlich schnell Rad fahren zu können, brauchen Sie außerdem noch Trikot und Radhose, einen Ersatzschlauch, eine Luftpumpe, Flickzeug, eine Windweste und eine Radjacke. Je nach Jahreszeit auch Handschuhe, eine Winterhose, eine Helmmütze und Notbeleuchtung. Zusätzlich einen Pulsmesser, Höhenmesser, Taschenmesser. Und Schutzbleche, ein Minitool mit Kettennieter und Nippelspanner, Kettenöl, Gabelfett, Felgenreiniger, Trinkflaschen, Armlinge, Beinlinge, Knielinge, überschuhe, Reifenheber sowie alles andere, was Sie sich sonst noch in Ihre Satteltasche stopfen wollen. Aber das Wichtigste beim Radsport ist der richtige Sattel! Verwenden Sie das Modell, das Sie schon seit Jahren benutzen! Das Model, an das sich Ihr Hintern gut gewöhnt hat. Kommen Sie bloß nicht auf die Idee, sich irgendwann einen neuen Sattel zu kaufen!

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Lektion 4: Ausweichverfahren

Giftige Raupen können auf Mallorca zu einer echten Plage für Radsportler werden. Je nach Saison wimmelt es plötzlich überall von diesen kleinen Monstern. Zwar ziehen die Prozessionsraupen mit der perfiden Strategie ins Feld, immer in einer langen Reihe zu laufen, aber auf einer normal breiten Straße werden Sie immer genügend Raum für Ausweichmanöver haben. Bei Hautkontakt riskieren Sie ansonsten einen juckenden Hautausschlag, der Sie aussehen lässt, wie ein pickeliger Teenager. Die gut getarnten, kleinen Raupen sind aus der Entfernung nicht zu erkennen. Beachten Sie, dass Ihr Fahrverhalten deswegen für Laien aussehen könnte, als machten Sie gerade einen Elchtest, wenn Sie im Zickzackkurs den über die Fahrbahn laufenden Raupen ausweichen. Zeigen Sie Ihren Hinterleuten niemals Raupen als Gefahrenstelle an! Sie brauchen bei Ihren Ausweichmanövern beide Hände am Lenker! Mit Routine werden Sie in solchen Situationen immer souveräner. So einen Hindernisparcours sollten Sie also bereits im Vorfeld zuhause simulieren. Stellen Sie Pylonen auf Ihrer Trainingsstrecke auf und zirkeln Sie in immer schneller gefahrenen Sprints hindurch! Besser noch ist es, wenn Sie schon im Herbst mit dem fleißigen Sammeln von Kastanien beginnen. Verstreuen Sie die gesammelten Kastanien nach dem Zufallsprinzip auf Ihrer übungsstrecke! So gewöhnt sich auch Ihr Auge schnell auf das Erkennen raupenartig behaarter Hindernisse.

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Lektion 5: Dehnübungen

Dehnübungen sind das A und O für eine sportlich kräftige Muskulatur. Lance Armstrong hat sich angeblich früher täglich drei Stunden lang gedehnt. Vielleicht waren es auch täglich sechs Stunden. So genau weiß er das wohl selbst nicht mehr. Es gibt da Erinnerungslücken. Dass aber nur ein gedehnter Muskel zu Höchstleistungen in der Lage ist, daran besteht kein Zweifel. Nutzen Sie also jede Gelegenheit um sich zu dehnen! Insbesondere Wartezeiten bieten sich an, diese sinnvoll ins Trainingsprogramm zu integrieren. Ob beim Warten vor der Mikrowelle auf den heißen Kakao, in der Warteschlange vor dem Postschalter oder an der Supermarktkasse, beugen Sie sich bei durchgestreckten Beinen mit nach vorn gereckten Fingerspitzen bis auf den Boden. Und halten Sie diese Stellung möglichst lange! Nutzen Sie auch nach einem Sturz die Gelegenheit, wenn Sie sich ohnehin schon am Boden befinden, zu ein paar Kräftigungsübungen wie Liegestütze, Kniebeugen und Sit-ups!

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Lektion 6: Fahren am Berg

Machen Sie nicht den Fehler, zu glauben, Mallorca wäre eine flache Insel. Zwar sind die Straßen durch das TramuntanaGebirge, wie auch nach Sa Calobra oder zum Cap Formentor allesamt mit mäßigen Steigungsprozenten angelegt. Und auch die kurzen Anstiege nach Randa oder San Salvador sind nicht besonders steil. Aber dennoch lauert auf Mallorca eine ganz giftige Herausforderung auf Sie. Die 30-Prozent-Rampe aus dem Radkeller des Hotels! Darauf müssen Sie vorbereitet sein. Oder wollen Sie morgens vor den Augen der anderen Radurlauber, beim vergeblichen Versuch im Wiegetritt die Straße zu erreichen, mit Ihrem Rennrad in der Kellerzufahrt umkippen? Nach dieser Blamage sind Sie für den Rest des Urlaubs zum Gespött geworden. Solch einen Misserfolg können Sie nur vermeiden, indem Sie vorher zuhause die Bewältigung hoher Steigungsprozente üben. Vielleicht findet sich in Ihrer heimatlichen Umgebung eine vom Förster senkrecht in den bewaldeten Hang geschlagene Schneise? Als Bewohner des Flachlands können Sie mit Ihrem Rennrad auch auf Ihre Dachschräge ausweichen. Zur Not tut es auch die Rutsche vom Kinderspielplatz. Es muss bloß steil genug sein. Die Länge ist nicht so wichtig. Schließlich sind es vom Radkeller zur Straße meist nur wenige Meter. Werden Sie zur Rampensau! Natürlich können Sie Ihr Rad auch schieben. Aber dann brauchen sie sich bei der Speed-Gruppe gar nicht mehr blicken zu lassen.

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Lektion 7: Fahrtechnik

Verbessern Sie unbedingt Ihre Fahrtechnik! Nutzen Sie dafür insbesondere die Wintermonate, wenn Ihre Radfreunde die Zeit noch hinterm warmen Ofen verbringen! Im Winter können Sie wunderbar Ihr geheimes Trainingsprogramm absolvieren, ohne dass es jemand mitbekommt. Nehmen Sie Ihr Crossrad und fahren Sie möglichst viele Kilometer über schlammige und holprige Wege! Dermaßen vorbereitet können Sie sich dann nämlich im Frühjahr im Trainingslager auf Mallorca bereits auf dem ersten Kilometer entscheidend von Ihrer Gruppe absetzen. Attackieren Sie ab der ersten Sekunde der gemeinsamen Ausfahrt! Es ist dabei absolut wichtig, dass Sie sofort außer Sichtweite kommen. Dann können Sie nämlich unbeobachtet eine Abkürzung über einen unbefestigten Seitenweg fahren. Kehren Sie so schnell es geht zurück zum Hotel! Sie sollten immer einen eigenen Zimmerschlüssel im Trikot haben. Legen Sie sich an den Pool, lassen Sie aber Ihre Radklamotten an! So haben Sie nachher prima weiße Kanten an Ihren Oberarmen und Beinen. Legen Sie Ihren Tacho in die Mikrowelle! Das Küchenpersonal wird Ihnen gegen ein kleines Trinkgeld gerne behilflich sein. So erhalten Sie in wenigen Sekunden automatisch eine hohe Tageskilometerzahl auf dem Display, mit sagenhaften Höchstgeschwindigkeiten. Lernen Sie die perfekte Aussprache Ihrer angeblichen Ausflugsziele und denken Sie sich bis zum Eintreffen Ihrer Trainingspartner eine tolle Geschichte aus, gegen die die Tageserlebnisse Ihrer Radfreunde blass erscheinen werden!

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Lektion 8: Gesprächsführung

Sie sind mit jemandem unterwegs, der so schnell fährt, dass Ihnen die Luft weg bleibt? Lassen Sie nicht zu, dass Sie aus den Schuhen gefahren werden! Fahren Sie in einem letzten Kraftakt neben Ihren Trainingspartner oder den auf der Strecke aufgegabelten Rivalen! Beginnen Sie, ihm die Ohren vollzulabern! Er wird denken, dass Ihnen sein Tempo, mit dem er Sie eigentlich beeindrucken wollte, nichts ausmacht, und dass Sie sogar noch Luft zum Reden haben. Stellen Sie ihm komplizierte Fragen, auf die er mit umständlichen Erklärungen und in langen Sätzen antworten muss! Sie werden sehen, wie er bald langsamer werden wird. Lenken Sie ihn mit Ihren neuen Trainingstheorien ab! Lassen Sie ihn ausreichend zu Wort kommen! Er wird Sie als Freund akzeptieren und es nicht mehr für nötig halten, Sie zu attackieren. Erzählen Sie ihm von Ihren angeblichen Erfolgen gegen bekannte Größen aus der Radsportszene! Dann wird er nicht mal mehr daran denken, einen Angriff gegen Sie zu fahren. Fragen Sie ihn nach der Anzahl seiner Jahreskilometer! Sie können davon ausgehen, dass er Ihnen nicht die Wahrheit sagt. Deshalb dürfen natürlich auch Sie unter keinen Umständen Ihre wahre Jahresleistung nennen. Ganz wichtig: geben Sie höchstens die halbe Anzahl, der von Ihnen gefahrenen Radkilometer zu! Oder besser noch: sagen Sie, dass Sie heute nach langer Krankheit zum ersten Mal auf dem Rad sitzen!

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Lektion 9: Gruppenleitung

Ihr Radlerlatein sollten Sie beherrschen. Das ist schon mal die erste Voraussetzung. Aber wenn Sie Ihre Gruppe anführen wollen, müssen Sie auch eine klare Ansage machen können. Sagen Sie »locker und flach«, wenn Sie ein hügeliges Ausscheidungsrennen im Sinn haben! Rufen Sie laut »letzter Kilometer«, wenn der Anstieg in Wirklichkeit noch ewig dauert! Geben Sie immer den Ton an, auch wenn Sie längst aus dem letzten Loch pfeifen! Vor allem aber: Behalten Sie immer das letzte Wort! Und lernen Sie verdammt nochmal endlich Spanisch! Die herrlichen Straßen Mallorcas sind perfekt für Rennradfahrer ausgeschildert. Aber das nutzt Ihnen nichts, wenn Sie kein Wort verstehen. Wenn Sie nämlich auf den Straßenschildern einen Gefahrenhinweis nicht von einem Ortsnamen unterscheiden können, wird Ihre Autorität gehörig unter diesem Defizit leiden.

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Lektion 10: Körperpflege

Wenn Sie als Radsportler ernst genommen werden wollen, müssen Sie sich unbedingt die Beine rasieren. Rennradfahrer mit haarigen Beinen dürfen sich nicht wundern, wenn sich das Tempo in ihrer Trainingsgruppe irrsinnig erhöht, sie isoliert und schlussendlich abgehängt werden. Denn einen Fahrer mit behaarten Beinen zu distanzieren, gehört zu den zwingenden Pflichten eines jeden ambitionierten Radsportlers.
Warum rasieren sich Profis die Beine? Es wird behauptet, sie täten dies wegen der besseren Wundversorgung nach Stürzen oder weil sich rasierte Beine einfacher mit Massageöl behandeln lassen. Aber das stimmt so nicht! Man rasiert sich die Beine nur aus einem einzigen Grund: Definierte Wadenmuskeln kommen auf diese Art noch besser zur Wirkung, weil sie optisch ganz einfach eindrucksvoller erscheinen. Mit gut eingeölter Beinmuskulatur sind Sie in der Lage, allein durch das Zurschaustellen furchterregender Radfahrerbeine das gesamte Peloton unter Kontrolle zu halten.

Wie rasieren Sie sich die Beine? Dafür stehen Ihnen verschiedene Methoden zur Verfügung. Sie können sich durch schmerzhaftes Epilieren die Haare samt Wurzeln rausreißen. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die nicht weniger schmerzhafte Prozedur mit Heißwachs. Nassrasur ist dagegen nur dann schmerzhaft, wenn Sie die Klinge falsch ansetzen und sich aus Versehen mit einem Zug das komplette Schienbein schälen. Schnittwunden von der Beinrasur sind nicht männlich! Sie sehen damit eher wie ein Trottel aus. Radfahrerbeine müssen stets makellos sein! Mit einem Elektrorasierer wären Sie auf der sicheren Seite, müssen das Gerät für eine dauerhaft gründliche Rasur allerdings täglich zur Hand nehmen. Planen Sie für Ihre Beinrasur wöchentlich insgesamt rund drei Arbeitsstunden ein! Das entspricht in etwa dem zeitlichen Aufwand für Ihre Dehnübungen. Unter Umständen lassen sich beide Maßnahmen gleichzeitig in eine Einheit integrieren, wenn sie bereit sind, sich ordentlich zu verrenken. Vielleicht können Sie sich dahingehend auch Tipps von Ihren Trainingsfreunden holen. Aber fragen Sie bloß nicht Ihre Freundin um Ratschläge! Frauen haben keine Ahnung von Beinrasur. Das ist reine Männersache!

Sollten Sie jemals von einem Mann mit unrasierten Beinen überholt werden, halten Sie umgehend an und täuschen Sie eine Panne vor!

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Lektion 11: Mentaltraining

Oft wird die mentale Vorbereitung vergessen. Wichtig ist, was im Kopf passiert. Von dort erhalten Ihre Beine die Befehle. Es nutzt nichts, wenn Sie nur die Muskeln des Bewegungsapparates trainieren. Das Hirn ist der größte Muskel. Bringen Sie Ihre Synapsen auf Vordermann! Nur so können Sie jederzeit reaktionsschnell reagieren. Lassen Sie also Ihren Kopf arbeiten! Im Vorbeifahren Schafe auf der Weide zählen, das war gestern. Sie müssen sich nicht unbedingt in psychologische Therapie begeben. Heutzutage gibt es speziell abgestimmte Literatur mit psychologischen Ratschlägen für Radfahrer. Lesen Sie sich schlau!

Hier einige Buchtipps:
»Der Sprinter im Roggen«
»Die Einsamkeit des Streckenpostens«
»Völker der Welt, schaut auf dieses Rad!«
»Ich bin dann mal Osenberg«
»Ratgeber zur erfolgreichen Dachsjagd«
»Trainingshandbuch der tschechischen Radsportkompanie«

Sollte das ein oder andere Werk inzwischen vergriffen sein,
dürfen Sie sicher sein, dass diese Bestseller bald wieder in Neuauflage erscheinen werden.

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Lektion 12: Nahrungsergänzung

Niemand gewinnt die Tour de France nur mit Mineralwasser. Das wusste schon Jacques Anquetil. Haben Sie sich beim Frühstücksbuffet wirklich satt gegessen? Unterbrechen Sie Ihre Trainingsfahrt und halten Sie bei einer dieser leckeren mallorquinischen Bäckereien! Kaufen Sie sich ein einfaches Baguette! Klemmen Sie sich das Brot unter Ihren Arm und setzen Sie Ihre Fahrt fort! In Ihrer verschwitzen Achselhöhle kann das Baguette viele der für Sportler so notwendigen Mineralien aufnehmen. Das braucht Zeit. Sie erkennen den richtigen Zeitpunkt zum Verzehr daran, dass das Baguette seine beiden Enden nach unten hängen lässt. Sie können sich absolut sicher sein, dass Sie sich somit ausreichend mineralstoffreich ernähren, während sich Ihre Trainingskollegen vielleicht schon direkt vor dem Bäckerladen ernährungstechnisch fragwürdige Schoko-Croissants, süße Rosinenschnecken und dergleichen einverleiben. Sollten Sie zu hungrig sein, um Ihr Baguette lange unter Ihrem Arm spazieren zu fahren, können Sie immerhin darauf hoffen, dass es zuvor schon einige Zeit unter dem fleischigen Arm der netten Bäckereifachverkäuferin gesteckt hat. Bon Appetit.

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Lektion 13: Personal Coach

Früher oder später werden Sie während Ihres Radtrainings unweigerlich in diesen desolaten Zustand kommen: Sie werden auf dem Zahnfleisch gehen. Deshalb müssen Sie vorher bereits die verschiedensten Gangarten trainieren, damit Sie sich auch noch vorwärts bewegen zu können, wenn Sie bereits platt am Boden liegen. Eventuell können Sie sich nicht selbst dazu motivieren, auf allen Vieren über die Straße zu krabbeln. Suchen Sie sich daher zur Unterstützung einen Personaltrainer! Alle schon ausgebucht? Dann gehen Sie zum Ballermann! Reißen Sie dort mal so richtig Ihr Maul auf! Baggern Sie die Oben-ohne-Freundinnen von gewaltbereit aussehenden Proleten an! Spielen Sie sich am Strand lautstark als Platzhirsch auf! Dort lungern genügend schräge Typen herum, die nur darauf warten, Sie gehörig auf Trab zu bringen. Alternativ lässt sich auch der schrankbreite Türsteher in der Schinkenstraße provozieren. Nach dessen eingehender Behandlung werden Sie gar nicht mehr anders in der Lage sein, als kriechend nach Hause zu robben.

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Lektion 14: Radwechsel


Schritt, Trab, Galopp oder Tölt. Sagen Ihnen diese Begriffe nichts? Dann sollten rechtzeitig vor Ihrem Mallorca-Urlaub noch ein paar Reitstunden nehmen. Gut möglich nämlich, dass Sie auf Ihren Ausflügen durch das Inselinnere mal in die Verlegenheit kommen werden, den fahrbaren Untersatz wechseln zu müssen. Schnell kann die Suche nach der vermeintlich zeitsparenden Abkürzung einen Expeditionscharakter bekommen. Sobald aggressive Ziegen und bisswütige Hunde ins Spiel kommen, könnte es an der Zeit sein, Ihr Rennrad schweren Herzens unabgeschlossen zurücklassen zu müssen, wenn Sie sich Ihre Gesäßund Wadenmuskulatur nicht ruinieren lassen wollen. Nehmen Sie Ihre Beine in die Hand! Rennen Sie im Falle einer Begegnung mit wilden Tieren im offenen Gelände so schnell Sie können! Retten Sie sich über den nächsten Zaun! Sehen Sie zu, dass Sie Land gewinnen! Auch bei einer Horde halbwilder Hausschweine im eigenen Windschatten könnte es dringend geboten sein, den Fluchtversuch durch einen rettenden Sprung über einen Zaun fortzusetzen.

In jedem Fall stehen Sie dann also erstmal ohne Fortbewegungsmittel in der Pampa. Vergessen Sie Ihr teures Rennrad. Das wird nun auf nicht absehbare Zeit von diesem tollwütigen Riesenköter bewacht. Sehen Sie sich lieber schnell nach einem geeigneten Ersatz um. Schließlich gilt es bestimmt immer noch, ihren Trainingspartnern mit dieser Aktion den Weg abzuschneiden, um vor ihnen am Ziel zu sein.

Auf den unendlichen Weidegründen Mallorcas werden Sie recht bald auf ein Pferd oder einen Esel stoßen. Springen Sie auf! Die Unterschiede zum Fahrrad sind nicht groß. Der Sattel ist etwas breiter, der Mechanismus der Pedale ein anderer, der Lenker ungewohnt instabil und ein Tacho fehlt meist völlig. Wie die Sache mit dem Antrieb funktioniert, kann ich Ihnen aber leider auch nicht erklären.

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Lektion 15: Reaktionszeit

Wenn Sie im Rennen keine Attacke verpassen wollen, müssen Sie ständig auf der Hut sein. Jederzeit müssen Sie sofort reagieren können. Lernen Sie die Gedanken Ihrer Mitfahrer frühzeitig zu erahnen! Seien Sie Ihren Rivalen immer einen Schritt voraus! Lassen Sie immer eine Hand am Schaltgriff! Legen Sie besser stets einen dicken Gang auf, um ständig für einen Sprint bereit zu sein! Machen Sie nur schnelle Bewegungen! Das muss alles zack-zack gehen! Ihre Gegner werden erkennen, dass Sie nicht zu überrumpeln sind. Dadurch wird sich niemand trauen, einen voreiligen Angriff zu starten. Mit Ihrer schnellen Reaktionszeit haben Sie sämtliche Rennsituationen stets im Griff. Auf diese Weise können Sie das Fahrerfeld dominieren, ohne sich wirklich anstrengen zu müssen. Sie dürfen natürlich auch sonst keine Zeit verlieren. Ganz wichtig ist hierbei die Verpflegungszone im Wettkampf. Nach Möglichkeit nutzen Sie diesen Bereich direkt mal für eine harte Attacke! Sie werden sehen, wie Ihre Mitstreiter völlig überfordert sind, Ihnen jetzt noch zu folgen. Mit den Händen in ihren Verpflegungsbeuteln können die Gegner weder entschlossen am Lenker ziehen, noch Schalten und außerdem sowieso kaum noch das Gleichgewicht halten. Wenn es dabei nicht sogar noch zu einem Massensturz der Verfolger kommt. Sie jedenfalls haben die Situation mit Ihrer spontanen Reaktion gut zu Ihrem Vorteil nutzen können. Aber Vorsicht: Sie müssen sich unterwegs natürlich auch verpflegen! Versuchen Sie, einen Deppen zu finden, der für Sie den Wasserträger spielt! Nutzen Sie unterwegs jede Gelegenheit, Nahrung abzugreifen! Stehlen Sie den Vorderleuten unbemerkt die Powerriegel aus den Trikottaschen! Oft stehen Zuschauer am Streckenrand, die etwas Essbares in den Händen halten. Kinder sind in dieser Beziehung besonders arglos. Reagieren Sie schnell! Greifen Sie zu wie ein Falke! Schlingen Sie die Beute runter ohne zu Kauen!

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Lektion 16: Regeneration

Besser werden Sie nur in der Pause. Acht Stunden Nachtruhe im Tiefschlaf gelten als optimal. Der Start einer RTF im Morgengrauen kann Ihr Schlafverhalten gehörig durcheinander bringen. Achten Sie darauf, Ihr Schlafbedürfnis ausreichend zu befriedigen! Wenn Sie am Sonntag noch früher aufstehen müssen als unter der Woche, dann sollten Sie entweder am Vorabend früher ins Bett gehen, oder in den Tagen zuvor im Büro vorschlafen, oder aber unmittelbar nach der Zieldurchfahrt den fehlenden Schlaf nachholen! Die Regeneration beginnt in der ersten Minute nach dem Rennen. Setzen Sie eine Brille mit möglichst dunklen Gläsern auf ! Nehmen Sie eine bequeme Stellung ein! Sie werden Ihre bevorzugte Schlafposition auf dem Rad schnell finden. Gut Geübte schaffen es auch, bereits während der Fahrt ein kleines Nickerchen zu machen.

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Lektion 17: Rennrad

Vergessen Sie die Angeber mit ihren teuren Carbonrädern! Björn Borg hat Wimbledon mit einem Holzschläger gewonnen. Lachen Sie über die Technik-Freaks mit ihren elektronischen Schaltungen! Eddy Merckx musste zum Schalten tief nach unten an seinen Stahlrahmen greifen, und war trotzdem fünfmal Sieger bei der Tour de France. Ignorieren Sie die Werbung in den Fachmagazinen! Ein Fahrrad ist ein rein mechanisches Gerät. Lassen Sie sich nicht von der Ausrüstung der Profis blenden! Sparen Sie sich Ihr Geld, kaufen Sie kein angeblich diebstahlsicheres Fahrradschloss! Fahren Sie lieber ein Rad, das Sie auch mal unbeaufsichtigt für ein paar Sekunden wo abstellen können! Der Motor sitzt noch immer auf dem Sattel. Campagnolo oder Shimano ist hier überhaupt nicht die Frage. Rennen werden einzig und allein mit dem Kopf gewonnen.


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Lektion 18: Risikobereitschaft


Zweikampfhärte ist im Radsport ebenso gefragt wie Mut. Bergauf ist es ja eine Frage von Kraft, aber bergab dürfen Sie sich natürlich niemals abhängen lassen! Drängeln Sie sich bereits rechtzeitig vor dem Beginn einer Abfahrt rücksichtslos in eine günstige Position im vorderen Feld! Setzen Sie Ihre Ellbogen ein! Lassen Sie aber nicht Ihre Trinkflasche vor die Vorderräder der Mitfahrer fallen! Sie können das Mehrgewicht auf der Abfahrt gut gebrauchen. Die Flasche können Sie immer noch auf der Zielgerade ins Peloton werfen. Sie dürfen nur keine Angst vor hoher Geschwindigkeit und scharfen Kurven haben! Um im Wettkampf durch nichts erschüttert werden zu können, fahren Sie im Training Strecken mit höchster Schwierigkeit! Nehmen Sie zur Abwechslung mal das Mountainbike und stürzen Sie sich damit Abhänge hinab, die allgemein als unfahrbar eingeschätzt werden! Danach wird Ihnen jede rasante Straßenabfahrt wie ein Kinderspiel vorkommen. Nur Mut, trauen Sie sich was!

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Lektion 19: Ruhetag


Damit sich Ihre vom harten Training beanspruchten Muskeln erholen können, planen Sie bei Ihrem zweiwöchigen Trainingslager einen Ruhetag ein! Nutzen Sie diesen zur aktiven Erholung am Strand! Ziehen Sie einfach mal Freizeitkleidung an! Legen Sie sich in den Sand! Achtung: Sie dürfen sich vorher nicht mit Sonnencreme einschmieren, denn sonst werden Sie aussehen wie ein paniertes Wildschwein. Um den Sand von Ihrer Haut wieder abzuwaschen, gehen Sie ins Meer! Aber nur so weit, wie Sie noch stehen können! Schwimmen schadet der Radfahrermuskulatur. Als Nichtschwimmer legen Sie sich besser nur ins seichte Wasser in unmittelbarer Ufernähe. Aber auch hier Achtung: Legen Sie sich nicht mit dem Gesicht in die Brandung! Einige Ungeübte sind bei dieser Trainingsmethode auf Mallorca bereits jämmerlich ersoffen. Sie merken: So ein Ruhetag ist ganz schön gefährlich!

Bleiben Sie daher lieber bei Ihren gewohnten Bewegungsabläufen! Lockeres Pedalieren ist immer gut. Nehmen Sie ein Fahrrad mit dicken Reifen und rollen Sie ein bisschen durch den tiefen Sand! Es sollte ein Leihrad sein, denn sonst wären Sie den restlichen Ruhetag damit beschäftigt, gründlich den Sand aus dem hochempfindlichen Getriebe Ihres wertvollen Rennrads zu putzen.

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Lektion 20: Sitzposition

Sie sparen eine Menge wertvoller Energie, zum Beispiel für den alles entscheidenden Schlusssprint, wenn Sie möglichst windschnittig auf Ihrem Rad sitzen. Sie können ja schließlich nicht ständig nur im Windschatten fahren, auch wenn dies Ihr oberstes Gebot bei der Ausfahrt mit Ihren Freunden sein sollte. Also müssen Sie unbedingt die für Sie beste Sitzposition finden. Fahren Sie dafür nach Norddeutschland! Dort werden Sie fündig werden. Die norddeutsche Tiefebene ist das geeignete Revier, wenn Sie bei der Suche nach einer effizienten Sitzhaltung erfolgreich sein wollen. Verzichten Sie bei diesem Ausflug auf Ihr leichtes High-End-Rennrad! Nehmen Sie stattdessen ein stabiles und nach Möglichkeit schweres Fahrrad! Und laden Sie sich Unmengen Ballast auf ! Dann fahren Sie ganz einfach immer in Richtung Westen! Das ist nämlich die Richtung, aus der dort immer der Wind weht. Und zwar strammer Wind. Mitunter Gegenwind in den höchsten Sturmstärken. Ganz automatisch werden Sie bereits nach wenigen Kilometern beim verzweifelten Versuch, auch nur annähernd auf Schrittgeschwindigkeit zu beschleunigen, eine Körperhaltung einnehmen, die Sie sich unbedingt einprägen sollten. Damit Sie diese Position nicht so schnell wieder vergessen, fahren Sie am besten noch ein paar Stunden länger als geplant gegen den Wind!

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Lektion 21: Sozialleben

Konzentrieren Sie sich nicht nur ausschließlich auf den Radsport! Man wird sie sonst für einen Freak halten, der sich vom normalen Leben abschottet. Pflegen Sie deshalb Ihre sozialen Kontakte! Laden Sie doch mal Freunde, Familie oder Nachbarn, die mit Radfahren nichts am Hut haben, zu Kaffee und Kuchen ein! Am besten geeignet hierfür ist ein grauer Regentag, an dem Sie sowieso nicht vor die Tür gehen würden. Ziehen Sie sich schick an! Setzen Sie sich mit Ihren Gästen an den Tisch! Jetzt können Sie sich entspannt unterhalten. Die Zuhörer werden Ihren ellenlangen Rennberichten und den Heldengeschichten Ihrer epischen Radtouren stundenlang mit wachsender Begeisterung folgen. Sie können den Außenstehenden mit Ihren Stories die Faszination des Radsports näher bringen und mehr Verständnis und Anerkennung für sich gewinnen. Lassen Sie aber nur kurze Zwischenfragen zu, damit Ihr Monolog nicht allzu oft unterbrochen wird! Um den Besuch mit Ihren Worten zu fesseln, erzählen Sie nach Möglichkeit im Stil eines aufgeregten Radioreporters. Natürlich müssen Sie dabei dennoch lässig wirken. Kehren Sie aber Ihre Erfolge nicht unnötig unter den Teppich! Stellen Sie gewonnene Pokale als Tischdeko auf! Und ganz wichtig für Ihr Training: kurbeln Sie dabei stets mit flüssigem Tritt!

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Lektion 22: Spinning

Welche äußeren Umstände Sie veranlassen könnten, an einem Spinning-Kurs teilzunehmen, bleibt schleierhaft. Sollten Sie aber jemals so ein komisches Rad im Spinning-Raum eines
Fitnessstudios besteigen, müssen Sie natürlich wissen, wie Sie sich zu verhalten haben. Machen Sie niemals den Fehler, auf einem Bike in der ersten Reihe Platz zu nehmen! Um das Feld der anderen Kursteilnehmer unter Kontrolle behalten zu können, müssen Sie alle im Blick haben. Setzen Sie sich also in die hinterste Reihe! Schnell werden Sie erkennen, dass keine ernstzunehmenden Gegner anwesend sind. Aber gewonnen haben Sie deshalb noch lange nicht. Den Sieg müssen Sie sich nun erstmal hart erarbeiten! Ignorieren Sie sämtliche Anweisungen des Trainers! Hüten Sie sich davor, den Widerstand auf das Schwungrad zu erhöhen! Sie werden Ihre Reserven für den Schlusssprint benötigen.

Arbeiten Sie sich im Rhythmus der Musik langsam im Peloton nach vorne! Reißen Sie mit aller Kraft am Lenker! Probieren Sie dabei verschiedene Griffpositionen aus! Setzen Sie Ihren Oberkörper ein! Nur die Beine zu bewegen wäre ein großer Fehler. Erschrecken Sie nicht vor Ihrem Spiegelbild! Schleudern Sie zwischendurch Ihr schweißdurchtränktes Handtuch über Ihrem Kopf herum wie ein Saunameister! Trinken Sie ausreichend! Werfen Sie Ihre Trinkflasche hinter sich, wenn diese leer ist. So sparen Sie unnötiges Gewicht! Schnäuzen Sie Ihren Rotz energisch zu Seite weg. Auch auf diese Art lassen sich lästige Verfolger abschütteln. Behalten Sie die Uhr im Auge!

Achten Sie darauf, dass niemand Ihren Windschatten nutzt. Seien Sie auf Attacken der anderen Kursteilnehmer gefasst. Bestimmt hat Sie der Guide bereits mehrfach angeschnauzt. Bleiben Sie fokussiert! Ihr Ziel muss es sein, dass Ihr Rad am Ende der Stunde ganz vorne steht. Lassen Sie es nicht auf ein Fotofinish ankommen! Der Kurstrainer könnte eventuell parteiisch sein und gegen Sie entscheiden. Machen Sie rechtzeitig alles klar! Ruckartige Bewegungen sind weitaus effizienter als flüssiges Kurbeln. Ziehen Sie voll durch bis an die Wand! Nur so können Sie sich Ihres Sieges sicher sein. Alle in der Gruppe werden erkannt haben, dass Sie der größte Spinner sind.

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Lektion 23: Streckenplanung

Mit Technik haben Sie es nicht so? GPS halten Sie für eine Splittergruppe der Gewerkschaft der Polizei? Das Kartenlesen ist Ihnen schon immer schwer gefallen? Eine von Ihnen zusammenfaltete Landkarte sieht aus wie zerknüllt? Sie haben keine Idee, wie man sich mithilfe dieser grell blendenden Sonne orientieren könnte? Dann wird es für Sie nicht ganz einfach, eine Radgruppe über Mallorca zu führen. Aber das ist durchaus kein Grund, sich nicht doch als erfahrener Guide anzubieten. Es gilt doch sowieso immer die alte Regel: wer vorne fährt, bestimmt den Weg!

Es spielt dabei keine Rolle, ob Sie mit Ihrer Gruppe zu einer Weinverkostung auf dem nächsten Dorfplatz oder zu einer Durchquerung des Tramuntana-Gebirges aufgebrochen sind. Nehmen Sie als Anführer zu keinem Zeitpunkt den Druck vom Pedal! Ihre Mimik darf niemals verraten, dass Sie sich hoffnungslos verfahren haben! Umdrehen kommt für Sie niemals infrage! Sollten Sie in eine Sackgasse geraten, erklären Sie diese Stelle ganz einfach zum Wendepunkt der Tour! Auch wenn dies wiederholt geschieht. In derselben Sackgasse! Vorsicht, dies könnte der Moment sein, in dem die Stimmung kippt! Meist kommt man aber auch zu Fuß weiter. Früher oder später stößt man auf Mallorca wieder auf eine fahrbare Straße. Oder zumindest auf das Meer. Biegen Sie dort nach rechts!

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Lektion 24: Trainingspartner

Sie haben eine Partnerin, die gerne Fahrrad fährt? Umso besser! Zwingen Sie sie zu einer langen Gewaltausfahrt! Lassen Sie ihr vorher unbemerkt ein bisschen Luft aus ihren Reifen. Stecken Sie ihr heimlich Werkzeug, Pumpkartusche und reichlich Münzgeld in ihr Satteltäschchen! Bauen Sie möglichst giftige Steigungen in den Streckenverlauf ein! Erhöhen Sie immer wieder abrupt das Tempo! Zermürben Sie sie mit Ihren unrhythmischen Tempowechseln! Sagen Sie immer wieder »das ist jetzt der letzte Berg«! Oder, wenn das nicht zieht, sagen Sie wiederholt »so, das erste Achtel der Strecke haben wir gleich«! Lügen Sie, dass Sie das alles gar nicht anstrengend finden würden! Unterdrücken Sie so gut es geht Ihre heftige Atmung! Behaupten Sie, Ihr Puls wäre total niedrig! Gähnen Sie! Tun Sie zwischendurch so, als hätten Sie sich verfahren! Das ist dann auch der Moment, wo Sie mit einer Attacke einen Fluchtversuch starten sollten. Versprechen Sie Ihr eine Kaffeepause! Umfahren Sie aber weiträumig jede Ortschaft! Außer in der Mittagshitze, wenn alles im Dorf geschlossen ist. Gewinnen Sie alle Ortsschildsprints vor ihr! Zeigen Sie ihr, wer Herr im Hause ist! Fahren Sie sie so richtig aus den Schuhen! Sie wird Sie lieben. Ihre Partnerin fährt besser Rad als Sie? Vergessen Sie’s!

Bild zu Lektion 25
Lektion 25: Trinkflaschenfüllung

Von dem köstlichen mallorquinischen Vino Tinto müssen Sie unbedingt probieren! Sollten Sie nur wenig Alkohol vertragen, kann es Ihnen am nächsten Morgen passieren, dass sie Ihre gefüllten Trinkflaschen im Hotelzimmer vergessen. Dummerweise wird Ihnen dann erst nach 20 Kilometern auffallen, dass die beiden Flaschenhalter an Ihrem Rennradrahmen leer sind. Geraten Sie deshalb nicht gleich in Panik! Es hätte auch nicht viel geholfen, am Vorabend noch mehr Rotwein auf Vorrat zu trinken. Versuchen Sie, sich eine Trinkflasche von einem Ihrer Mitfahrer zu erschleichen. Denn ohne Getränk werden Sie auf einer 100-Kilometer-Runde Probleme bekommen. Sollten Ihre egoistischen Mitfahrer Ihre Vergesslichkeit zu deren Vorteil ausnutzen und Ihnen niemand aus der Gruppe großzügig eine seiner Flaschen überlassen wollen, dann zwingen Sie sie eben zu einem Stopp beim nächsten Radgeschäft!

Lassen Sie die Gruppe vor der Tür warten! Achten Sie unbedingt darauf, dass die Farbe des Deckels der neuen Trinkflaschen zu Ihrem Trikot passt! Zahlen Sie dem Verkäufer den horrenden Betrag, mit dem er Sie in Ihrer Notsituation über den Tisch ziehen will! Solch eine überhöhte Forderung gehört mit zum Spiel. Wenn Sie wieder vor die Tür kommen, treten Sie sofort in die Pedale! Warten Sie nicht, wenn andere Mitglieder aus Ihrer Gruppe noch nicht abfahrbereit sind! Sie werden sehen, früher oder später folgen Ihnen alle. Und falls jemand den Anschluss verpassen sollte, hat er am Vorabend bestimmt zu viel gesoffen. Auf solche Penner braucht natürlich niemand nicht zu warten.

Bild zu Lektion 26
Lektion 26: Verfolgungsrennen

Ihr größter Erfolg in der vergangenen Saison bestand darin, dass Sie Ihren alten Schulfreund aus Kindertagen hinter sich lassen konnten? Darauf dürfen Sie sich nun wirklich nichts einbilden! War es nicht so, dass dieser leicht übergewichtige Mann seit Jahren keinen Sport mehr getrieben hatte? Wurde ihm nicht sogar eine lockere Runde angekündigt? Musste er nicht mit einem uralten und tonnenschweren Stahlrahmen gegen Sie und Ihr federleichtes Carbonrad antreten? Trug er nicht Jeans und einen dicken Wollpullover? Hatten Sie nicht dennoch Mühe ihn mit Ihrem härtesten Antritt einigermaßen hinter sich zu lassen? Haben Sie nicht, obwohl voll im Training stehend, am Berg genauso keuchen müssen wie er? Und das alles nur, weil sie es ihm bis heute nicht vergessen haben, dass er Ihnen früher auf dem Tennisplatz keine Chance gelassen hat? Diesen Freund sind Sie jetzt jedenfalls los. So bald werden Sie den nicht wiedersehen. Sie haben ihn enttäuscht. Ihr Auftritt war ganz einfach zu glanzlos! Was Ihnen fehlt ist mehr Antrittsstärke. Suchen Sie sich stärkere Gegner!

In den Hinterhöfen der Dörfer Mallorcas, in den verwahrlosten Vororten von Palma und an einsam am Wegesrand von selten frequentierten Straßen im Inselinneren gelegenen Gehöften werden Sie auf geeignete Trainingspartner stoßen, die Ihnen mit spielerischer Leichtigkeit beibringen werden, wie man schnell beschleunigt. Wenn solch ein räudiger Straßenköter Ihnen erstmal auf den Fersen ist, werden Sie erstaunt feststellen, welches ungeahnte Leistungspotenzial bisher in Ihnen geschlummert hat.

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Lektion 27: Verkehrsverhalten

Das korrekte Verhalten ist im Straßenverkehr immens wichtig. Es ist im Grunde genommen sogar lebenswichtig. Entgegenkommende Radfahrer werden nämlich nicht grundsätzlich gegrüßt. Achten Sie auf die feinen Unterschiede!
 
Fahrer von Klapp-, Treckingoder gar Liegerädern sind nicht Ihr Niveau. Bei solchen Leuten müssen Sie blasiert zur Seite wegsehen! Fahrer mit unrasierten Beinen dürfen Sie natürlich auch nicht grüßen! Ebenso wenig solche, die erkennbar langsamer als Sie unterwegs sind. Oder solche, die deutlich mehr übergewicht als Sie haben. Fahrer, von denen Sie von hinten überholt werden, grüßen Sie schon gar nicht!

Passanten können Sie eher schon mal grüßen. Insbesondere wenn diese Sie bewundernd anblicken und Ihnen »Chapeau«, »Courage« oder auch nur »Olà« zurufen. Sie dürfen dann natürlich nichts sagen! Und bloß keine Hand vom Lenker nehmen! Deuten Sie lediglich mit einem leichten Zucken ein Nicken an! Und Lächeln Sie nicht! Das könnte als ein Zeichen von Schwäche interpretiert werden.

Die Polizei wird natürlich immer gegrüßt. Damit beugen Sie in gewisser Hinsicht vor. Ein früher einmal gegrüßter Polizist wird später garantiert bei Ihnen ein Auge zudrücken. Man kennt sich ja schließlich.

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Lektion 28: Verpflegungsstelle

Brechen Sie auf zu einer unglaublich langen Gewalttour einmal rund um die ganze Insel Mallorca! Es wird unausweichlich geschehen, dass Sie einen ausgewachsenen Hungerast bekommen. Wie in Zeitlupe und in abenteuerlichen Schlangenlinien werden Sie sich bis zur nächsten Bäckerei quälen. Das Geschäft hat geschlossen? Lesen Sie die öffnungszeiten! Irgendwann sollte die Mittagspause doch vorbei sein. So lange müssen Sie warten! Auch wenn Sie schon bald anfangen zu frieren. Bleiben Sie wie bestellt und nicht abgeholt vor dem Laden stehen! Lernen Sie die spanischen Namen der Wochentage! Nicht, dass die Bäckerei, vor der sie warten, an diesem Tag zufällig Ruhetag hat. Ansonsten warten Sie nämlich zitternd vor der geschlossenen Tür bis Sie schließlich zusammenklappen. Vergewissern Sie sich bei längeren Wartezeiten wiederholt, ob es inzwischen dunkel geworden ist oder ob Sie nur zusammengebrochen sind!

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Lektion 29: Werkstattlehre

Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihr Material selber warten können. So ersparen Sie sich unnötige Wartezeiten in der Fahrradwerkstatt, die sie bloß vom Training abhält. Befüllen Sie einen kleinen Rucksack mit allen relevanten Werkzeugen von der Kettenpeitsche bis zum Kurbelabzieher, und nehmen Sie diesen auf jeder Ausfahrt mit! Sollten Sie technisch nicht so versiert sein, sind Ersatzschlauch, Reifenheber und Minipumpe das absolut Mindeste, was Sie immer dabei haben müssen. Wenn Sie zwei linke Hände haben und selbst einen einfachen Schlauchwechsel nicht hinbekommen, dann reicht auch ein Handy. Rufen Sie im Fall einer Panne einfach Ihre Frau, Freundin oder die Oma vom Nachbarn an und beschreiben Sie ruhig und mit deutlichen Worten, wo Sie sich befinden! Machen Sie klar, dass Sie wünschen, dort umgehend abgeholt zu werden! Andersfalls riskieren Sie unter Umständen eine Unterkühlung mitsamt den lästigen Begleiterscheinungen, die sowas nach sich ziehen kann. Eine Erkältung ist natürlich das Letzte, was Sie sich in einer Trainingsvorbereitung leisten können. Gehen Sie deshalb lieber immer auf Nummer Sicher! Vermutlich lässt sich von Ihnen nicht taäglich ein Begleitfahrzeug arrangieren. Deshalb führen Sie immer gleich ein ganzes Ersatzrad mit sich, auf welches Sie im Ernstfall problemlos umsteigen können! Diese Praxis hat sich auch im Rennen bewährt. Wenn Sie Ihr Ersatzrad mal vergessen haben, kein Problem! Entwenden Sie einfach an der nächsten Verpflegungskontrolle das unachtsam abgestellte Rennrad eines Mitstreiters – und sehen Sie zu, dass Sie schnell abhauen!

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Lektion 30: Wetterschutz

Regenkleidung benötigen Sie nicht. Auf Mallorca scheint immer die Sonne! Zur Not beten Sie eben zur Madonna di Ghisallo.

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Lektion 31: Wintersport

Immer in Bewegung bleiben. Aber bei deutschem Winterwetter sind draußen selten Großtaten möglich. Eine nasskalte Runde mit dem Mountainbike frustriert mehr als dass es etwas bringt. Eine Flucht ins Tessin scheidet aus, weil es auf der Alpensüdseite auch gerade regnet? Bei Regentagen ins Sportstudio zu gehen ist keine Alternative. Sie wissen, wie manche Leute dort riechen. Und dieser Gestank dringt in jeden Winkel. Als reinlicher Mensch können Sie viel sinnvoller zuhause trainieren. Wichtig ist eine gebeugte Haltung, so wie Sie es vom Rennradsattel gewohnt sind. Zum Festhalten suchen Sie sich ein Rohr mit ähnlichem Durchmesser wie Ihr Lenker ihn hat. Bewegen Sie sich mit kurbeltrittartigen Beinbewegungen durch Ihre Wohnung! Ziehen Sie sauber Ihre Bahnen! Achten Sie auf die Trittfrequenz und runde Bewegungen! Bauen Sie enge Kurven und plötzliche Richtungswechsel in Ihr Trainingsprogramm ein! Zeichnen Sie die zurückgelegte Strecke mit GPS auf! Weit werden Sie beim Indoorsport nicht kommen, aber Sie können zumindest eine ganze Menge Quadratmeter machen, um die Sie Ihre Vereinskollegen sehr beneiden werden.

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Lektion 32: Zweitrad

Für Ihr tägliches Training, spezielle Wettkämpfe und unterschiedliche Einsatzbereiche besitzen Sie selbstverständlich verschiedene Rennmaschinen. Warum reisen Sie dann nur mit einem einzigen Rad in Ihr Trainingslager? Na, merken Sie etwas?! Gehen zum Zwecke der Fortbewegung ist ganz schlecht für die Beine. Um sich nicht die Muskulatur mit falschen Bewegungsabläufen zu versauen, brauchen Sie ein Zweitrad für die kurzen Wege. Idealerweise mieten Sie sich ein billiges Leihrad, welches Sie überall ohne größere Sorge unbeaufsichtigt abstellen können. Nutzen Sie es insbesondere auf dem weitläufigen Areal der Hotelanlage! Vielleicht finden sich Mitstreiter für ein kleines Rennen durch die Lobby oder durch den Hotelkeller? Fahren Sie damit bis ans Frühstücksbuffet! Rollen Sie damit auf die andere Straßenseite zum Strand! Kurbeln Sie damit zum Café con lecce nebenan! Erledigen Sie damit Ihre Mineralwasser-Einkäufe im nah gelegenen Supermarkt! Patroulieren Sie damit zwischen den dicht an dicht laufenden Fußgängern auf der Strandpromenade! Setzen Sie es an Treppen, in Grünanlagen und im Wellnessbereich für übungen zur Fahrtechnik ein! Springen Sie damit in den Pool, wenn Sie mal schwimmen wollen!

Auch für einen Ausflug in die Schinkenstraße ist so ein Zweitrad weit besser geeignet als Ihr teures Rennrad. Aber beachten Sie, dass es dieser dicke Türsteher, der auf seiner Schulter das Wort Elefäntchen und ein Eichhörnchen tätowiert hat, nicht so gerne sieht, wenn jemand sein Fahrrad im golden lackierten Türrahmen des Eingangs abstellt!

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Lektion 33: Zwischensprint

Ihnen kommen die bisherigen Trainingstipps widersprüchlich vor? Dann haben Sie das Prinzip noch nicht verstanden. Die Effizienz des Programms beruht darauf, immer wieder unterschiedliche Reize zu setzen. Dachten Sie etwa, Laufen wäre partout verboten? Und was, wenn Ihr Gegner den Trick aus Lektion 28 gegen Sie anwendet und an einer Verpflegungsstelle mit Ihrem Rad abhauen will? Dann müssen Sie schnell sein! Sehr schnell sogar!

Trainieren Sie insbesondere das Losrennen! Stoßen Sie sich übungshalber mit voller Kraft an Ihrem Bürotisch oder am Warenband der Supermarktkasse ab! Auf diese Weise simulieren Sie den plötzlichen Start von einem der üblichen Klapptische an einer Kontrollstelle, wo die Gefahr, dass Ihnen Ihr Rennrad von einem Mitstreiter entwendet wird, besonders hoch ist. Sie wissen selbst, welch weite Strecken mit einem Fahrrad zurückgelegt werden können. Stellen Sie sich auf einen längeren Lauf ein! Eventuell ist es mit einem kurzen Sprint nicht getan. Deshalb ist es immens wichtig, dass Sie den Dieb möglichst bald eingeholt haben. Es kommt auf die ersten Meter an! Vergessen Sie nicht, dass Sie sich in einem Rennen befinden! Nach der Aktion brauchen Sie noch genug Körner für den weiteren Rennverlauf, die Sie besser nicht in einem Mittelstreckenlauf verpulvern sollten.

Absolvieren Sie Ihr Lauftraining auf einer Tartanbahn im Stadion! Zeigen Sie den Lutschern dort, wo der Hammer hängt, indem Sie in Ihren Rennradschuhen immer wieder an Sportlern des Laufvereins vorbeisprinten! Egal, welches Pedalsystem Sie nutzen, der erhebliche Verschleiß von Schuhplatten ist leider ein unvermeidbarer Bestandteil dieses Trainings. Garantiert wird es sich aber irgendwann für Sie auszahlen!

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Lektion 34: Traumfrausuche

Ja, sind Sie denn noch zu retten? Glauben Sie etwa wirklich, da draußen würde Ihre Traumfrau frei herumlaufen? Und Rennrad soll sie auch noch gut fahren können? Begraben Sie den Gedanken am besten sofort! Die wahre Traumfrau gibt es nämlich nicht! Und jetzt mal ganz im Ernst: Wollen Sie denn wirklich so eine Frau haben, die Ihnen womöglich am Berg davonfährt?

Machen Sie sich lieber klar, dass so eine "Traumfrau" selten Zeit für Sie haben wird. Wenn sie tough ist, steht sie sicherlich auch beruflich mit beiden Beinen voll im Leben. Ein Meeting jagt das nächste. Überstunden sind an der Tagesordnung. In der Mittagspause flitzt sie zum TRX-Kurs. Oder was glauben Sie, woher sie ihr Sixpack hat? Und dann bekommt sie auch noch ständig Anrufe auf ihrem Handy von unzähligen Verehrern. Andererseits räumt Ihnen dieser Umstand genügend Zeit für Ihr freies Training ein.

Aber es ist doch so, dass sie auf eine Frau in ihrer Trainingsgruppe immer warten müssen. Das fängt ja schon am Treffpunkt an, wenn Sie feststellen müssen, dass sie nicht genug Luft in ihren Reifen hat. Und dann benötigen Sie für Ihre übliche Trainingsrunde mit ihr im Schlepptau auch noch geschlagene zwei Minuten länger. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist auch versaut!

Zu allem Überfluss fällt der Dame an einem verregneten Sonntagmorgen vielleicht noch ein, dass es etwas Besseres gäbe als Radtraining. Gemütlich frühstücken? Sie kennen Ihren Kalorienbedarf genau und wissen auf die Sekunde, welche Zeit Sie maximal benötigen, um Ihr Müsli in sich reinzuschlingen. Verplempern Sie nicht unnötig Ihre wertvolle Trainingszeit am Esstisch! Im Bett schon gar nicht!

Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Sie an eine Rennfahrerin geraten. Taktisch schlau wird sie sich den ganzen Tag über in Ihrem Windschatten, den Sie ihr generös gewähren, aufhalten. So lange, bis Sie platt sind, weil Sie versucht haben, die Traumfrau mit einer hohen Geschwindigkeit zu beeindrucken. Dann wird sie zum Überholen ansetzen und Sie gnadenlos abhängen, während Sie bereits stehend k.o. sind. Um Himmelswillen! Wollen Sie sowas wirklich erleben? Die Traumfrau wird sie fertig machen! Wenn Sie immer noch denken, Sie könnten diesem Phantom irgendwo begegnen, wären Sie von allen guten Geistern verlassen. Vergessen sie es, in Herrgottsnamen!

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Lektion 35: Haltung

Lernen Sie das freihändige Fahren in Perfektion! Üben Sie bei jeder Gelegenheit beide Hände vom Lenker zu nehmen – auch auf Kopfsteinpflaster, durch Schlaglöcher, bei Höchstgeschwindigkeit. Man weiß nie, auf welchem Belag der nächste überraschende Zielsprint ausgetragen werden wird. Ziehen Sie immer ein grünes Trikot an! Damit Ihre Konkurrenten gleich sehen, dass Sie der unschlagbare Siegertyp sind. Reißen Sie die Arme ruhig schon vorzeitig hoch! Das demoralisiert Ihre Mitfahrer garantiert. Fassen Sie den Lenker am besten gar nicht mehr an! Wenn Sie das freihändige Fahren im Schlaf beherrschen, haben Sie schon so gut wie gewonnen. Dann naämlich können Sie die Bremsen abmontieren und zusätzlich den ganzen Lenker. Das bringt Ihnen enorme Gewichtsvorteile gegenüber Ihren Rivalen. So werden Sie souverän die kommende Mallorca-Rundfahrt gewinnen. Oder wenigstens den nächsten Ortsschildsprint. Also: Üben, üben, üben!

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