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Felix Meininghaus

Der Journalist Felix Meininghaus (48) hat das Buch „Helden in Schwarz-Gelb – Borussia Dortmunds größte Spieler“ geschrieben. In einem Interview erläutert er die Hintergründe des sportlichen Erfolgs und erklärt, warum die Borussen auf dem Weg zur Meisterschaft in dieser Saison alte Fußball-Gesetze außer Kraft gesetzt haben.

Herr Meininghaus, Sie begleiten den BVB zunächst als Fan, später als Berichterstatter seit 35 Jahren. Haben Sie jemals mehr Sympathie für eine Dortmunder Mannschaft empfunden als für das aktuelle Meisterteam?

Meininghaus: Ganz klar: nein. Es gab in der Vergangenheit fantastische Erfolge, die Krönung war der Champions-League-Sieg 1997. Das 3:1 von Lars Ricken im Endspiel gegen Juve ist einer der ganz großen deutschen Fußball-Momente. So etwas wird es nicht wieder geben. Aber damals war sehr viel Geld im Spiel - zu viel Geld, wie sich später herausstellte. Die aktuelle Mannschaft ist ein Gegenentwurf zu dem Team von damals. Sie ist etwas ganz Besonderes nicht nur in der Geschichte von Borussia Dortmund, sondern in der Geschichte des deutschen Fußballs überhaupt.


Sportdirektor Michael Zorc sagt, der Titel 2011 sei der größte Erfolg der Vereins-geschichte.

Meininghaus: Borussia Dortmund hat in seiner langen Tradition viele historische Erfolge gefeiert: die ersten beiden Meisterschaften 1956 und ’57 mit der identischen Mannschaft war eine einmalige Leistung, der BVB feierte 1966 den ersten Europapokal-Erfolg einer deutschen Mannschaft oder 1997 den ersten Champions-League-Sieg. Aber die aktuelle Mannschaft, die jüngste die je Deutscher Meister wurde, nimmt in den Herzen der Menschen einen ganz besonderen Platz ein.


Was imponiert Ihnen an der Mannschaft am meisten?

Meininghaus: Mir imponiert die Jugend und alles was damit zusammenhängt: diese Leidenschaft, dieser Elan, dieser Esprit. Jürgen Klopp nennt das die Gier, diese Lust am Fußballspielen. Das sind alles Spieler, die in ihrer Karriere noch nichts gewonnen haben, die wollen den Erfolg unbedingt. Da kommt unglaublich viel Ausstrahlung und Charisma rüber. Das wird es in dieser Form nicht mehr geben. Selbst wenn diese Mannschaft in der kommenden Saison den Titel verteidigen und in der Champions League für Furore sorgen wird - das, was wir in dieser Saison erlebt haben, ist unwiederbringlich.


Kann man diesen Triumph mit irgendetwas in der Bundesliga-Historie vergleichen?

Meininghaus: Von der Tragweite her kann man diese Dortmunder Mannschaft durchaus mit der legendären Elf aus Mönchengladbach der 1970er-Jahre vergleichen. Das waren damals auch alles ganz junge Leute aus der Region: Heynckes, Wimmer, Netzer, Vogts, Kleff und wie sie alle heißen. Dieses „fohlenmäßige“ haben die Sahins, Schmelzers und Götzes auch.


Kaum jemand hätte für möglich gehalten, dass so etwas im heutigen Fußball-Geschäft noch möglich sein könnte.

Meininghaus: Die Fußball-Romantiker versetzt dieses längst ausgestorben geglaubte «Elf-Freunde-müsst-ihr-sein» in Verzückung. Die Mannschaft versteht sich untereinander menschlich unheimlich gut, das macht sie zusätzlich stark.


Freundschaft, Ehrgeiz und Eifer haben gegen die Erfahrung gesiegt?

Meininghaus: Das alte Fußball-Gesetz, wonach Routine alles ist, wurde außer Kraft gesetzt. Was die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2010 mit Müller und Özil angedeutet hat, hat Klopp vom ersten Tag an in Dortmund radikal durchgezogen. Sehr mutig!


Gab es ein Schlüsselerlebnis, bei dem Sie geglaubt haben, dass der BVB tatsächlich Deutscher Meister werden kann?

Meininghaus: Das war ganz klar das erste Rückrundenspiel in Leverkusen. Da habe ich mich gefragt: Schafft es die Mannschaft, ihren Elan mit in die Rückrunde zu nehmen und genauso wie in der ersten Halbserie zu spielen? Obwohl es nach 45 Minuten noch 0:0 stand, habe ich gewusst, dass die Mannschaft Deutscher Meister wird, selbst wenn sie dieses Spiel verlieren würde. Das zweite Schlüsselerlebnis war das Spiel in München. Da habe ich mich gefragt: Hat diese Mannschaft den Mut, ihren Hurra-Stil auch im Stadion des Meisters durchzuziehen? Das haben sie gemacht, und spätestens da wusste jeder in Deutschland: Diese Mannschaft ist nicht zu stoppen.


Kann diese Mannschaft eine Ära prägen oder ist das zu romantisch gedacht?

Meininghaus: Diese Saison hat ja gezeigt, dass Fußball-Romantik noch funktionieren kann. Auf der anderen Seite sind die Begehrlichkeiten jetzt natürlich riesig: Mit Nuri Sahin geht der Spirtus Rector des Teams nach Madrid, Mario Götze, Lucas Barrios, Marcel Schmelzer und andere werden grandiose Angebote erhalten. Diese Mannschaft ist so jung, dass sie tatsächlich eine Ära prägen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Uli Hoeneß sich das tatenlos mit ansieht. Oder, wie es der BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke formuliert hat: „Die Imperien werden zurückschlagen.“

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